1. Was ist Persönliche Assistenz?
Persönliche Assistenz - kurz erklärt
Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmtes Leben, unabhängig von institutionalisierten Hilfsangeboten und Pflegedienstleistungen. Sie unterscheidet sich von anderen Pflege- und Betreuungsleistungen dahingehend, dass sie keine rein pflegerische Leistung ist, sondern Assistenznehmer*innen in allen Bereichen des täglichen Lebens unterstützt - von Haushalt und Pflege über Bildung und Freizeitgestaltung hin zu Arbeit und Terminwahrnehmung. Assistenznehmer*innen leiten ihre an Assistent*innen an und behalten die Kontrolle über die durchgeführten Tätigkeiten.
Elke Bartz († 2008) vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) bringt den Grundgedanken der Persönlichen Assistenz folgendermaßen auf den Punkt:
„Behinderte Menschen mit Assistenzbedarf sind selbst die größten Experten in eigener Sache. Sie brauchen keine PflegerInnen in Anstalten oder von ambulanten Diensten, die sie bevormunden mit der Begründung: „Ich weiß, was gut für dich ist“ und „Ich helfe Dir, aber so, wie ich es für richtig halte.“ Die meisten Menschen mit Behinderungen benötigen Assistentinnen, die ihnen ihre Hände und nicht ihren Kopf ersetzen, die zwar mit- aber nicht vordenken.“
Die Unterstützung kann je nach Bedarf und Situation unterschiedlich aussehen. Mache Assistenznehmer*innen beziehen zeitlich begrenzte Schul- oder Arbeitsassistenz, andere werden rund um die Uhr von ihrem Team unterstützt. Assistent*innen sind in der Regel keine ausgebildeten Fachkräfte, sondern werden von Assistenznehmer*innen nach eigenem Ermessen ausgewählt und angestellt.
→ Ratgeber für behinderte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und solche, die es werden wollen
Entstehungsgeschichte
Die Idee der Persönlichen Assistenz stammt aus den 1960er und 1970er Jahren und hat ihre Wurzeln in der Independent Living-Bewegung in den USA. Die Bewegung setzte sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein und betonte die Bedeutung von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Der Film “Aufstand der Betreuten” porträtiert die amerikanische Bewegung und den Kampf um Selbstbestimmung im medizinschien System und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung bereits im Jahr 1988 für das deutsche Fernsehen. An den Grundaussagen der Bewegung hat sich seitdem wenig geändert und die im Film beschriebenen Forderungen und Unzulänglichkeiten in ihrer Begegnung sind (leider) weiterhin aktuell.
→ Film: Aufstand der Betreuten
Obwohl die Persönlichen Assisten in Deutschland in den 1980er Jahren bekannt wird, dauert es noch, bis sich das Konzept durchsetzt. Und der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Bis heute ist die Persönliche Assistenz den meisten Menschen kein geläufiger Begriff. Selbst Betroffene wissen zum Teil nicht, dass für sie ein Leistungsanspruch auf Assistenz besteht.